Eine Segeltörn quer durch Griechenland

Reiseroute

Griechenland besitzt mehr als 3000 Inseln und Inselchen. Alle zusammengenommen machen aber trotzdem nur etwas weniger als 20% der Landfläche des Staates aus. Die größte dieser Inseln Euböa oder Evvoia liegt in Sichtweite zum Festland an dessen Ostseite und verläuft von NW von den Sporaden nach SO bis etwa zur geographische Breite von Athen. Man kann sich die Insel wie einen Höhenzug vorstellen, das Tal zwischen Festland und Insel bildet den nördlichen und südlichen Golf von Euböa bzw. den Golf von Petalion ganz im Süden.
Für Segler, die dem starken Nordwind Meltemi mit hohen Wellen in der Ägäis ausweichen wollen, bietet dieser Wasserweg eine angenehme Alternative. Da wir allerdings schon im Norden sind, nehmen wir die umgekehrte Richtung …

23.8.2022, 8:30, N39°08.3′ E23°38.6′, Neo Klima Elios, Insel Skopelos
Kurz vor 9:00 morgens sind wir heute von der Marina auf Skopelos losgesegelt. Auf NW-Kurs geht es vorbei an den vorgelagerten Klippen, danach weiter mit W-Kurs Richtung der Privatinsel Tsoungria, die im Süden von Skiathos liegt.

Ab hier segeln wir mit raumen Wind an Skiathos vorbei in die Bucht zwischen dem Festland und Euböa.

Immer noch sind die Schiffe und Boote die wir sehen dünn gesät. Manchmal bekommt man das Gefühl, es gibt keine anderen Menschen. Erst in den Häfen und Buchten trifft man wieder auf andere Boote. Unterwegs bekommen wir Besuch von einem Libellenschwarm. Die Kleinen haben sich wohl verflogen …

An Steuerboard erkennt man schon von Weitem einen hellen Marmorsteinbruch, der die Einfahrt in den Golf von Euböa markiert. Natürlich wird dieser Wasserweg nicht nur von Seglern benutzt, sondern auch von der Berufsschifffahrt und zahlreiche Fährverbindungen queren unseren Weg zwischen den Ufern des Festlands und der Insel Euböa. Es heißt also acht geben.

16:00, Ormos Vathykelou, N 38°56.6′ E22°56.3′
Nachmittags erreichen wir die kleine Bucht von Vathykelou in der unsere ARIES für heute vor Anker geht. Es ist ruhig – nur ein paar Häuser säumen die Bucht. Das Wasser ist abends spiegelglatt. Nach einem Bad im warmen Wasser und einem Drink können wir uns von unserer heutigen Segeltörn gut erholen.

Neben uns liegt ein Zweimaster unter österreichischer Flagge – die „Long Life“. Wir winken und werden zurück gegrüßt. Evelyn hat ein köstliches Linsen Moussaka gebacken, ein delikates Abendessen und ein Gläschen Wein runden den Abend ab. In der Nacht regnet es ein bisschen.

24.8.2022, 7:30, Ormos Vathykelou.
Früh ankern wir auf, um die prognostizierten guten Windverhältnisse zu nutzen. Um 9:00 sind wir beim Kap Vasilina und merken, es wird wohl nix – wir haben Gegenwind und Gegenstrom und kommen unter Maschine nur mit 4kn voran.


10:00, Nsisidhes Kikhadhes, N38°49.4′ E22°49.5′ Wir fahren zwischen der Landzunge und den Inseln durch. Die Seekarten warnen vor starken Strömungen, wir kommen aber problemlos durch. An den sandigen Ufern sind hier überall Badestrände. Die Camper parken auf der flachen Landzunge bis ans Wasser – hoffentlich haben Sie die Unwetterwarnungen für die Region beachtet. Eine halbe Stunde später bläst ein Nordwind mit 12-13 kn durch das Tal. Wir setzen den Spinnaker und kommen gut voran.

Ab Mittag werden die Berge, aber auch die Quellwolken darüber immer höher. Um 14:00 sehen wir die ersten Blitze, holen den Spinnaker ein und haben Glück. Ein paar Minuten später treffen uns die ersten Starkwindböen, die aus Osten von den Bergen kommen. Mit unserer Genua, die sich leicht reffen läßt segeln wir weiter, bis wir um 15:30 über 30 kn Wind und Wellen von über 1 m von querab bekommen. Wir haben das Vorsegel halb gerefft, und müssen mit dem Motor mithelfen, um Kurs halten zu können. Auch ein paar Regenschauer bleiben uns nicht erspart, aber gegen Abend wird das Wetter besser und der Wind beruhigt sich wieder. Wir sind beunruhigt, wieviele Quallen im Wasser zu sehen sind. Teilweise fahren wir durch richtige Felder mit Exemplaren, die durchaus die Größe einer Bratpfanne erreichen.

Kurz vor 18:00 auf N 38°30.5′, E 23°34′ drehen wir in die Bucht vor Chalkida und legen gegen 18:20 Uhr im Nordhafen der Stadt an.

Genau! Chalkida hat 2 Häfen, einen im Norden und einen im Süden der Meerenge, die die Insel Euböa vom Festland trennt. Dieser 40 m breite Kanal wurde schon in der Antike mit einer Brücke überspannt, um das Hin- und Herreisen zu erleichtern. Heute verbindet eine Schiebebrücke die beiden Landesteile. In Chalkida treten die höchsten Tidenunterschiede im Mittelmeer auf und als Folge davon gibt es im engen Kanal eine beachtliche Strömung. Entlang des Festlandufers wurde sogar eine Wildwasserstrecke für Kanuten installiert – so stark ist dort der Strom, der eher an einen Fluß erinnert, als an eine Meerenge.

Die Zeiten in denen diese Strömung aussetzt sind nicht vorhersagbar. Der Sage nach soll der antike griechische Denker Euripos beim Versuch die Gesetzmäßigkeit des Gezeitenstroms schwimmend zu erforschen in den Fluten ertrunken sein. Die schmälste Meerenge der Welt trägt deshalb heute seinen Namen.
Wir melden uns im Südhafen an, zahlen 48€ für die Durchfahrt für unseren Katamaran und bekommen mitgeteilt, dass wir ab 21:00 mit einem Funkanruf der Port Authority auf VHF Kanal 11 rechnen können, die uns dann Bescheid geben wird, wann wir durchfahren können. Es wird uns außerdem empfohlen das Boot nicht zu verlassen, da es wiederholt zu Einbrüchen verlassener Boote gekommen sei. Während wir also auf dem Boot warten, und warten und warten und das Wasser langsam sinkt, hören wir plötzlich Stoßgeräusche am Rumpf. Ich kontrolliere 2, 3 mal ob die Fender richtig angebracht sind und wir irgendwo anstehen, bis ich bemerke, dass die Kaimauer an der wir angelegt haben, am Sockel unter Wasser weiter vorragt als über Wasser. Wir stoßen also mit dem Unterwasserschiff ans Kai! Uns bleibt nichts übrig, als 2 Fender hintereinander einzubinden, um uns weiter von der Mauer wegzubringen. Wer hat das nur so geplant 🙁

25.8.2022, 2:30, N 38°28′ E 23°35.5′, Chalkida, Euripos von Euböa
Endlich öffnet sich die Brücke und wir bekommen den erwarteten Anruf, uns bereitzuhalten. Zuerst sind die im Süden wartenden Schiffe – darunter ein großer Frachter – dran. Danach dürfen die Boote von der Nordseite durch. Wir fahren mit beiden Motoren in den Kanal mit 5 kn kommen wir an und werden in der Engstelle auf 8 kn beschleunigt.

Das Boot lässt sich aber gut steuern und wir kommen problemlos durch. Danach geht es etwas ruhiger weiter. Entlang des Kurses, den unser Plotter berechnet hat geht es durch die Bucht und gegen 3:20 morgens unter der Hochbrücke durch. Die Durchfahrtshöhe ist mit 36 m angegeben. Unser Mast hat nur 25, trotzdem schaut es vom Deck und im Dunkeln so aus, als ob wir gleich anstehen würden …

Weiter geht es der griechischen Küste entlang. Der Wind ist nachts schwach, trotzdem versuchen wir zu segeln so lange es geht. Erst wenn die Geschwindigkeit unter 2-3 kn sinkt, lassen wir den Diesel mit niedriger Drehzahl mithelfen.
10:30, N 38°11.4′ E 24°05.1′ Die ARIES rundet das Kap Mavrovouni und geht dann auf Nordkurs. Die Küste hier ist geschichtsträchtig: Orte mit klingenden Namen wir Marathon und Olymia finden sich hier. Für Fans von Kultur und Geschichte gibt es hier viel zu sehen und zu erleben, wie wir bei früheren Besuchen festgestellen konnten. Wir nutzen den Tag und segeln fast bis zur Südspitze. Gegen 17:00 lokaler Zeit ankern wir im Ormos Pasalimani und erholen uns von der langen und anstrengenden Fahrt.

26.8.2022, 7:00, N37°40.5 E 24°03.3′ Bucht von Pasalimani
Im Morgengrauen wird aufgeankert. Beim Verlassen der Bucht muss man auf die vorgelagerten Felsen achtgeben, die aber in den Seekarten gut eingezeichnet sind. Nach einer kurzen Fahrt Richtung Süden drehen wir nach West und runden das Kap Sounio mit dem markanten Poseidon Tempel auf der Anhöhe. Wirklich beeindruckend, was die Griechen hier vor tausenden Jahren errichtet haben.

. Auf der gegenüberliegenden Seite der Bucht mit Blick auf den antiken Tempel steht ein anderer Tempel. Hier wird aber wohl eher dem schnöden Mammon gehuldigt ;-).

Wir setzen die Segel und fahren wieder mal hart am Wind (aus NNW) Richtung WNW. So geht es mit 5-6 kn dahin bis wir das Verkehrstrenngebiet zum Hafen von Pyräus erreichen. Es herrscht nicht viel Schiffsverkehr – so trauen wir uns etwas schräg zur Verkehrsachse über das Gebiet zu segeln. Bei der guten Sicht erkennt man die großen Schiffe ja bereits frühzeitig. 2 Frachter passieren vor uns Richtung Athen. Danach kommen wir ohne Problem weiter, bis wir wieder in freien Gewässern sind.
Kurz vor Mittag erreichen wir die Ostküste von Ägina (N 37°42.1′ E 23°36.6′). Um der Küste entlang nach Norden zu kommen müssen wir die Segel einholen und den Motor anwerfen. Nachdem wir um das Kap Krasospilia sind liegt die kleine vorgelagerte Insel Nisidha vor uns. Hier gibt es eine tolle Flachwasserzone mit weißem Sand in den wir in unmittelbarer Nähe zur Insel unseren Anker werfen und einen Bade Stopp machen.

Aigina (Ägina) machen auf uns einen tollen Eindruck. Die kleinen Ortschaften schauen nett aus, die Häuser sind gepflegt und auf dem „Berg“ steht der beeindruckende, 2500 Jahre alte Tempel der Aphaia, ein Beweis dafür, dass die Insel schon in der Antike von den Dorern besiedelt war.

Die Insel ist mit der Schnellfähre in wenigen Stunden von Athen aus erreichbar.

Bei unserer Weiterfahrt Richtung Westen sehe ich an der Nordwest Ecke noch eine Marina, die wie ich im Internet herausfinde an eine Bootswerft anschließt, die gute Rezessionen aufweisen kann. Das klingt nach einem lohnenden Ziel für einen Besuch in der Zukunft.

Nachmittags kommt und geht der Wind und ändert seine Richtung wie es ihm gefällt. Meist segeln wir gegen an und wundern uns über die vielen Charterboote, die uns ohne Segel auf Gegenkurs begegnen. Wir sind überhaupt ein wenig enttäuscht, wie viele Segelboote wir immer wieder – auch bei passendem Wind – ohne Segel dafür mit laufendem Motor zu Gesicht bekommen. Angesichts der Entwicklung des Dieselpreises noch unverständlicher…

Weiter geht es an den kleinen Inselchen Platia, Ypsili, Tragonis und schließlich Evraios vorbei die die Einfahrt aus dem Saronischen Golf in die Bucht von Kenkhreon markiert. Unser Ziel ist der Kanal von Korinth den wir in der Dämmerung schon von weitem sehen.

Da wir den Kanal aber nicht in der Nacht durchqueren wollen, wird abends in der Bucht von Sidherona in 7m Tiefe kurz vor dem Badestrand geankert.

Der Ort scheint nett zu sein, wir sind aber zu müde für einen Ausflug, deshalb gehen wir nach einem Bad im Meer und einem feinen Abendessen zeitig zu Bett und verbringen eine ruhige Nacht.

27.8.2022, 9:00, N 37° 55′ E 23°0.5′, Kanal von Korinth.
Es geht los – vor uns liegt das Abenteuer Kanaldurchfahrt. Von unserem Ankerplatz sind es nur knappe 5 nm bis zur Kanaleinfahrt. Nach einer Stunde sind wir da. Wir legen neben dem Control Tower am Pier an, und nutzen das Service um mal wieder zu tanken. Die Festlandpreise sind in Griechenland wieder etwas „besser“ geworden, der Diesel kostet nicht ganz 2 €/Liter. Ach könnten wir doch Sprit so einfach selber mit Solarstrom herstellen, wie unser Trinkwasser …

Die Kanalgebühr beläuft sich auf 255,6 € für unser 13.3m langen Katamaran. Die Gebühren für den Kanal sind die höchsten der Welt im Relation zur zurückgelegten Strecke. Wir aber wollen das wenigstens einmal erleben, und nicht zuletzt spart man sich den langen Weg um den Pelepones, bei dem wir sicher auch wieder ein bisschen Sprit verfahren hätten.
Wir bekommen einen Slot in 20 min und warten bis der Gegenverkehr durch und wir per Funk die Aufforderung bekommen der vor uns einfahrenden Motoryacht zu folgen. Die Wally Yacht vor uns hat auch getankt, aber vermutlich etwas mehr als die 200€ die wir gebraucht haben. 😉

Der 1882 eröffnete Kanal ist wirklich imposant. Um das Boot schön in der Mitte zu halten, bitte ich Evelyn Fotos zu machen. So habe ich Zeit mir die Ufer etwas anzusehen. Bei genauerer Betrachtung sieht man, wo die Wellen die Uferbefestigung unterspült hat, und der Zahn der Zeit nagt. Immer wieder kommen Stellen, die eingebrochen und vermutlich wieder freigeschaufelt wurden. Kein Wunder, dass der Kanal ab Oktober wieder gesperrt und saniert werden soll. Der Tower gibt den vor und hinter uns fahrenden Motoryachten mehrmals Anweisung ihr Tempo zu drosseln, damit die entstehenden Wellen nicht zu hoch werden. Unsere ARIES dagegen gleitet mit 5-6 kn durch das Wasser ohne nenneswerte Bewegungen zu verursachen.

Gegen 11:20 fahren wir in Poseidonia aus dem Kanal. An Backbord sieht man die nach einem Erdbeben 1858 neu errichtete Stadt Korinth, die 6km vom ehemaligen antiken Korinth entfernt liegt.

Auf unserem Weg nach Westen heißt es nun wieder gegen den NW-Wind aufzukreuzen.

Am Nachmittag laufen wir in den Hafen von Kiato ein. Eigentlich gibt es Gästeplätze am Außen Pier, wir fahren aber in den hinteren Teil, und machen hinter einem Fischkutter längsseits fest. Eine Nachfrage bei den Fischern bestätigt, dass wir hier anlegen dürfen und es nichts kostet.

Wir sind hier eingelaufen, weil es im Ort einen Lidl gibt in dem wir unseren Proviant ergänzen wollen. Zu Fuß ist es nur eine halbe Stunde, und das Angebot sowie das Preis / Leistungsverhältnis wie immer unübertrefflich. Ansonsten hat die Stadt allerdings nicht sehr viel zu bieten. Eigentlich wollten wir hier übernachten, aber zurück auf dem Boot hat der Wind auf SO gedreht, ist also ideal um Weiterzusegeln. Gut dass wir nicht an der Außenmauer angelegt haben, dort steht eine Welle mit mindestens 1m! Wir entscheiden uns auszulaufen und den Wind zu nutzen. Der hält genau eine halbe Stunde und dreht dann wieder auf NW und wird immer schwächer. Gegen halb Zwei Uhr morgens geben wir auf und suchen im Kolpos Iteas in einer kleinen Bucht hinter der Insel Apsifia einen Ankerplatz. Es liegt schon ein Boot hier, wir finden aber noch gut Platz.

28.8.2022, 11:30, N 38°22.6′ E 22°23.7′, Nisis Apsifia

Wir haben gemütlich gefrühstückt und gebadet. Als endlich wieder ein bisschen Wind weht, geht es weiter Wieder ist aufkreuzen gegen den Westwind angesagt. Wir brauchen Stunden um ein paar Meilen in Richtung unseres Ziels zu machen. Teilweise haben wir mittlerweile Wind mit strammen 20 kn und mehr und sind entsprechend schnell unterwegs, nur nicht in Richtung Ziel …

Solche Geschwindigkeiten scheinen den Thunas gut zu passen. Wir fangen unseren ersten Thunfisch im heurigen Jahr. Unsere Gepäckwage zeigt ein Gewicht von knapp 5 kg an – genug für einige Mahlzeiten für uns zwei.

Abends um 19:30 sind wir so müde, dass wir beschließen in die Hafenbucht der Insel Trizonia einzulaufen. Hier gibt es einen kleinen Ort mit einer Marina, wir ankern aber außerhalb im linken Teil der Bucht. Neben uns ein Schwesterschiff, eine Helia unter polnischer Flagge – die „Dandy“. Das Boot ist modifiziert und mit einem Rollbaum ausgerüstet. Etwas, das mir auch gefallen würde. Wenn es nicht schon dunkel wäre, würde ich mal rüberfahren und das Gespräch suchen …
Nachdem es zuletzt in der Bucht von Korinth mit 25 kn auf den Bug geblasen hat, wollen wir hier die Nachtflaute abwarten und dann weiterfahren.

29.8.2022, 2:30, N 38°21.3′ E 22°05.3′, Trizonia
Wir haben uns ein paar Stunden aufs Ohr gehauen. Nachdem der Wind nachgelassen hat, ankern wir auf. Ich schicke Evelyn wieder ins Bett und fahre um die Insel. Um 3:00 kann ich wieder Segel setzen. Langsam dreht der Wind auf NNW und lässt uns auf fast gerader Linie durch den Golf segeln. 2 nm vor der Engstelle, die von der großen Drahtseilbrücke „Rio-Andirrio“ überspannt wird, berge ich die Segel. Unter Motor geht’s unter der Brücke durch.

Kurz vor der Brücke muss ich noch Gas geben, um vor den beiden Fährschiffen durchzukommen, die zeitgleich von gegenüberliegenden Ufern gestartet sind, und auf mich zukommen.

Die empfohlenen Durchfahrten sind mit roten, weißen und grünen Funkelfeuern gut markiert. Um 6:40 bin ich unter der Brücke (N38°19.3′ E 21°46.4′) durch. In der Engstelle gab es zeitweise 2 kn Gegenstrom. Von hier ab heißt es Golf von Patras, wir haben den Golf von Korinth verlassen und sind Richtung ionisches Meer unterwegs. Die Sonne geht auf und setzt die Brücke noch perfekt ins Bild für eine Erinnerungsfoto…
13:00, N 38°16.8′ E 21°06′ Wir passieren die Insel Oxeia und verlassen damit den Golf von Patras – willkommen im Ionischen Meer.

Vor uns liegen die Inseln Ithaki und Kefalonia. Dort wollen wir nochmal anhalten, bevor wir das Ionische Meer überqueren, bis dahin liegen aber noch 25 nm vor uns und wir haben wenig Wind.

16:30, N38°17.9′ E 20°44′. Kefalonia empfängt uns ungastlich. Hohe steile Berge, schroffe Ufer und kaum Besiedelung sind von Osten her zu erkennen. Nachdem wir die Südspitze der Insel Ithaki umrundet haben, herrscht im Kanal zwischen den Inseln eine unangenehme Düse aus Norden mit hohen Wellen. Wir müssen reffen und retten uns in die Bucht bei Agia Euphmia. Vor der Marina fällt abends um 17:45 unser Anker.

30.8.2022, 7:30, N 38°18.2′, E 20°36.2′, Agia Euphmia, Kefalonia
Wir starten früh los, fahren in die Bucht von Sami und wollen in den Hafen.

Es ist kein Platz frei, wir dürfen aber für ein paar Stunden an den Außen Kai längsseits anlegen. Nachdem wir unsere Besorgungen erledigt haben und zurück auf dem Schiff sind, erleben wir noch Hafenkino live. Ein älterer Herr mit einer Crew aus jüngeren Damen hat Schwierigkeiten beim Anlegen, und touchiert erst mit dem Bug, dann mit dem Heck die Kaimauer. Die Ladies stehen mit den Fender unbeteiligt an Deck …

9:50, N 38°15.2′ E 20°38.9′, Marina Sami, Kefalonia
Es geht weiter. Nach dem Auslaufen müssen wir noch 15 nm nach Süden laufen, um die Südspitze der Insel umrunden zu können. Kefalonia ist ganz schön groß. Im Süden finden wir dann doch noch nette Strände und das Bild der Insel wird etwas einladender. In einer tollen Bucht mit türkisblauem Wasser machen wir noch einen Badestopp.

Ein gemütlicher Wind aus Nord bringt uns dahin. Nachdem wir die Südspitze umrundet haben, ändert sich das Bild schlagartig: Wind aus West mit 20 kn und mehr und hohe Wellen, lassen uns kaum Richtung Westen vorankommen. Der immer stärker werdende Wind vereiteln unsere Versuche aufzukreuzen, und zwingen uns schließlich hinter Zakynthos Schutz zu suchen.

15:45, N 37°55.6′ E 20°42.3′, Blue Caves, Zakynthos
Gut, dass uns der Wind hierhergetrieben hat. Wir ankern wunderschön vor einer traumhaften Kulisse auf Sandgrund im türkisen Wasser.

Während wir noch überlegen, hier die Nacht zu verbringen, wirft 5 m neben uns ein Ausflugsboot den Anker, bringt eine Landleine aus, und scheucht die geschätzt 100 Passagiere ins Wasser. Eine Dame der Crew winkt uns etwas weiter wegzugehen, weil unsere Boote fast aufeinanderdriften. Leicht gesagt, aber das Ausflugsboot liegt genau über unserer Ankerkette. Uns bleibt nichts übrig, als einen Motor zu starten und bei kleiner Drehzahl rückwärts zu fahren, um den Abstand zu halten.

Hoffentlich schwimmt keiner der Ausflügler zu nah an unsere Schraube! Wir finden das Verhalten des Kapitäns untragbar, der aber kommt mit einer Zigarette im Mund zum Heck und zeigt und „Thumbs up“. Nach einer Stunde ist der Trubel zum Glück vorbei – das Boot sammelt seine Passagiere per Trillerpfeife wieder ein und fährt kurze Zeit später wieder ab. Gerade rechtzeitig – der Wind dreht, und die Wellen in die Bucht werden höher. Also suchen wir besser Schutz in der nahegelegenen Bucht von Skinari, hinter der kleinen Insel Agias Nikolaos. Ein Versuch zu ankern scheitert am Seegras und den 25 kn Wind in der Bucht. Der Marinero, der mit dem Schlauchboot zu uns kommt, fragt, wie lange wir bleiben wollen, und weißt uns an, längsseits am Pier anzulegen. Wir müssen nur die gelb markierten Bereiche für die Fähre frei lassen. Anlegen ist gratis und er hilft uns sogar noch. Da geben wir Kostas doch gerne ein paar Euro Trinkgeld!

Kostas ist übrigens auch Manager des Tourismus Büros, Vermittler von Bootsausflügen und Ansprechpartner für alle Fragen. Mit allen im Dorf befreundet, schickt er uns gleich zum Minimarkt und zum Restaurant seiner Eltern. Unseren ungeplant letzten Abend in Griechenland wollten wir sowieso mit einem Abendessen feiern, also nehmen wir das Angebot an. Das Essen ist nicht vom Haubenkoch, aber das Ambiente nett, und die Preise human. Die Taverne ist voll. Wir haben aber einen guten Tisch, weil uns Kostas reserviert hat. Zakynthos war den Abstecher auf jeden Fall wert!

21:20, N 37°54.3′ E 20°42.5′, Skinari, Zakynthos
Zurück am Boot hat der Wind bereits nachgelassen. Wir trinken noch einen Kaffee und stechen wieder in See. So endet nach nur einer Woche unsere Reise quer durch Griechenland und die nächste Etappe liegt vor uns: Übers Ionische Meer geht es nach Italien.

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